Grünes Licht für Affenversuche

Medizinischer Fortschritt versus Tierschutz: Makaken-Affe im Institut für Hirnforschung an der Universität Bremen. (Bild: Keystone/Joerg Sarbach)

Jetzt ist es amtlich: An den Zürcher Hochschulen werden wieder invasive Versuche an nicht menschlichen Primaten durchgeführt. Bereits 2013 hatten Neurobiologen von Universität und ETH Zürich ein Gesuch eingereicht zur Erforschung grundlegender Hirnprozesse an drei Makaken. Sie machten geltend, dass ihre Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis psychischer Krankheiten wie Schizophrenie oder Depressionen leistet.

Die Tierversuchskommission folgte dieser Argumentation und empfahl den Antrag im Jahr darauf zur Bewilligung. Wegen eines Rekurses von Tierschützern standen die Versuche aber lange auf der Kippe. Nach knapp dreijährigem Rechtsstreit hat das Zürcher Verwaltungsgericht den Rekurs aber endgültig abgewiesen und grünes Licht gegeben für die Forschenden.

Lange Phase der Rechtsunsicherheit

Das Urteil beendet damit auch eine lange Phase der Rechtsunsicherheit. Vor über zehn Jahren verweigerte die Tierversuchskommission nämlich die Bewilligung für ähnliche Versuche an Makaken. Ein dritter Forscher erhielt ein Jahr später dann doch noch einen positiven Bescheid, wechselte aber ans Deutsche Primatenzentrum in Göttingen, weil er in der Schweiz keine Zukunft mehr für die Primatenforschung sah.

Seine beiden Kollegen entschieden sich derweil für den Gang durch die Instanzen und gelangten bis ans Bundesgericht. Dieses stützte jedoch die Einschätzung der Tierversuchskommission und erteilte den Forschenden 2009 eine Abfuhr: Der zu erwartende Nutzen könne die Belastungen für die Tiere nicht aufwiegen – sie seien deshalb unzulässig.

Die Richter hielten gleichzeitig aber fest, dass dieser Entscheid kein grundsätzliches Verbot von Versuchen mit nicht menschlichen Primaten sei. Auch in Zukunft bedürfe es für jeden Versuch einer Einzelfallbeurteilung. Dennoch wusste niemand so richtig, welche Art von Forschung noch erlaubt sein würde. Bis Universität und ETH Zürich einen neuen Anlauf wagten – und Erfolg hatten.

Der Leistungsausweis der Tierversuchskommission stimmt

Das Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts ist auch deshalb relevant, weil es das Vertrauen in die Arbeit der Kommission stärkt. Insgesamt viermal hat das Gericht in den vergangenen Jahren über Tierversuche geurteilt und dabei jedes Mal die Empfehlung der Tierversuchskommission gestützt – egal, ob Forschende oder Tierschützer rekurriert hatten.

Dennoch gibt es Luft nach oben. Auch ohne Rekurs ist ein Antragsverfahren ausgesprochen aufwendig und zeitraubend. Zudem ist manchmal nur schwer nachvollziehbar, welche Kriterien und Informationen bei einer Beurteilung jeweils den Ausschlag geben. Ziel muss es also sein, das Antragsverfahren so straff und transparent wie möglich zu gestalten, um die Planbarkeit für alle Beteiligten zu erhöhen.

Heute überprüft das Veterinäramt jeden einzelnen Tierversuch – von der harmlosen Beobachtung einer Kaulquappe im Teich bis zum schwer belastenden Test eines Krebsmedikaments an einer Maus – und nimmt eine Einteilung in vier Schweregrade vor (0 = «keine Belastung» bis 3 = «schwere Belastung»). Anträge ab Schweregrad 1 leitet es an die Tierversuchskommission zur vertieften Beurteilung weiter. So fallen jährlich rund 200 Anträge an, die von den 11 nebenamtlich tätigen Kommissionsmitgliedern behandelt werden müssen. Das dauert.

Strafferes Verfahren oder mehr Kommissionsmitglieder

Um das Verfahren zu straffen, könnte die Bewilligung von leicht belastenden Versuchen (Schweregrad 1) vollständig ans Veterinäramt delegiert werden, wie das bei Versuchen von Schweregrad 0 bereits der Fall ist. Die Mitglieder der Kommission hätten dann mehr Zeit, um sich intensiv um die Beurteilung der mittel und schwer belastenden Versuche zu kümmern.

Oder die Kommission wird vergrössert, um die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Mit diesem Vorgehen liesse sich auch die fachliche Abstützung verbessern. Denn gesetzlich festgeschrieben ist nur, dass die Mitglieder aus den Bereichen Versuchstierkunde, Tierversuche, Ethik und Tierschutz stammen sollen.

Dabei brauchte es zwingend auch Mitglieder mit statistischer und humanmedizinischer Expertise. Denn ein solides statistisches Studiendesign, die Reproduzierbarkeit der Studienergebnisse sowie deren Übertragbarkeit auf den Menschen sind mindestens so wichtig wie tiermedizinische oder ethische Aspekte.

Doch das ist eine Kritik, die den Gesetzgeber bzw. das Veterinäramt und nicht die Kommissionsmitglieder betrifft. Diese sind gewählt, um im Rahmen des herrschenden Tierschutzrechts eine Einzelfallbeurteilung vorzunehmen. Und das Urteil des Verwaltungsgerichts hat bestätigt, dass ihren Einschätzungen grundsätzlich zu trauen ist.

41 Kommentare zu «Grünes Licht für Affenversuche»

  • Jackie sagt:

    aus meiner sicht wird es nie ausreichend begründbar sein solch leid anderen lebewesen anzutun, selbst wenn wir die unsterblichkeit des menschen erforschen könnten. mir wird schlecht beim gedanken an die qualen die andere arten, in diesem falle die uns sehr ähnlichen primaten, für unsere neugierde erleiden müssen und notabene für was für resultate konkret? sterben tun wir sowieso mit oder ohne erkenntnisse der forschung. wir menschen sind schlichtweg pervers und setzten uns über alles, stellen immer uns ins zentrum und verhöhnen damit anderes leben das uns gleichwertig ist. was wir uns selbst nie antun wollten, scheint ok bei anderen? mitnichten. nie. nimmer. ich schäme mich abgrundtief und frage mich wo unser weg, der weg der menschheit, uns hinführen wird.

    • Stefan sagt:

      Hallo Jackie,
      Deine Meinung ist gut nachvollziehbar und eine verständliche persönliche Position.
      Sie entspricht aber sicherlich nicht der gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung. Unser Fleischkonsum, unsere Nutzung vielfältiger medizinischer Unterstützung, bis hin zu unserer Akzeptanz der Konsequenzen von Autoverkehr sind alles Belege dafür, dass wir bereit sind den Tod von Tieren für unseren Vorteil und Genuss in Kauf zu nehmen.
      Wichtig ist aus meiner Sicht, dass wir uns diese Realitäten bewusst machen und die Abwägung sorgfältig treffen. Das ist nirgends bereits jetzt so der Fall wie in der Forschung mit Tieren wo für jedes einzelne Tier unabhängige Gremien diese Abwägung vornehmen.

        • Lori Ott sagt:

          Genau das habe ich auch gedacht. 7 Vertreter aus ETH/Uni-Kreisen, 4 aus der Tierschutz-Ecke.
          Eine zynische Farce.
          Unabhängig geht anders. Das Urteil gehört revidiert.

        • Servan Grüninger sagt:

          @Peter Maier: Zurzeit besteht die Kommission aus drei Biologen, einer Juristin, einem Ethiker sowie sechs Tierärztinnen und -ärzte. Das würde ich durchaus als ausgewogene und unabhängige Zusammensetzung bezeichnen. Dennoch gibt es auch aus meiner Sicht Verbesserungspotential, wie ich oben versucht habe aufzuzeigen. Wie müsste die Kommission Ihrer Meinung zusammengestellt sein, dass Sie ebenfalls von der Unabhängigkeit überzeugt wären?

          • Beat Meyer sagt:

            Grundsätzlich gilt doch, Herr Grüninger: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Daher kann ich Ihrer Argumentation, die Kommission sei ausgewogen, weil sie aus drei Biologen, einer Juristin, einem Ethiker sowie sechs Tierärztinnen und -ärzten bestehe, beim allerbesten Willen nicht folgen. Die Antwort auf Ihre Frage finden Sie im von Herrn Maier zitierten Tagi-Beitrag. Ein totales Ungleichgewicht besteht aber nicht nur personell, sondern auch in finanzieller Hinsicht. Die Tierversuchslobby hatte hunderttausende Franken an Steuergeldern zur Verfügung und leistete sich eine der profiliertesten Anwaltskanzleien der Schweiz, während die Tierschützer nur einen einzigen Anwalt bezahlen konnten. Die Ungleichheit zeigt sich also auch hier. David gegen Goliath, wie so häufig, aber ohne schönes Ende.

          • Servan Grüninger sagt:

            @Beat Meyer: Wie gesagt, über die Besetzung der Tierversuchskommission kann man diskutieren. Eine 4+4+3 Zusammensetzung wie im Artikel von gestern beschrieben ist eine Möglichkeit. EIne andere die von mir oben beschrieben (fachliche) Erweiterung der Kommission. Jedoch scheint es mir unzulässig, die Zusammensetzung der Kommission nur dann zu kritisieren, wenn das gefällten Urteil nicht mit der eigenen Überzeugungen übereinstimmt. Es war auch die hier als „unausgewogen“ kritisierte Tierversuchskommission, welche 2006 zwei Anträge auf Affenversuche *ablehnte*. Insofern scheint die Kommission durchaus differenzieren zu können. Hinzu kommt: In Zürich wird fast kein Antrag ohne Auflagen und Einschränkungen angenommen. http://tv-statistik.ch/de/bewilligung/index.php

      • Marie-Françoise Eigner sagt:

        @Stefan
        Ob dies nur der persönlich Meinung oder der gesellschaftlichen Mehrheitsmeinung entspricht, ist wohl eine andere Diskussion. Dass wir die Könige des Verdrängens sind, ist wohl jedem klar. Aber ich gehe nicht mit Ihnen einig, dass diese Gremien so unabhängig sind und so sorgfältig abwägen wie Sie es antönen.
        Ich finde es stossend, dass Uni und ETH solche Versuche durchführen, als wären sie eine skrupellose Pharmafirma. Dies ist dem Volk durchaus über den Kopf entschieden. So oder so diese Versuche sind grausam und ethisch in keiner Weise zu rechtfertigen. Wir bleiben dran.
        Marie-Françoise Eigner, Zürich

  • Céline Weber sagt:

    Diese Versuche an Primaten sind ein moralischer Rückschritt und eine Schande für den Forschungsstandort Schweiz. Es gibt keine medizinische, wissenschaftliche und moralische Rechtfertigung für die entwürdigendende Behandlung dieser Tiere, die dem Menschen so ähnlich sehen. Was in diesem Artikel nicht erwähnt wird: Nach Abschluss der Versuche werden die Primaten getötet und entsorgt. Dass es Forscher gibt, die sich mit diesem Trauerspiel à la Frankenstein auch noch Geld und Ehre erhoffen, ist mir absolut unverständlich und ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung hinter diesen Versuchen steht.

    • Fabio Hasler sagt:

      Ob es eine moralische Rechtfertigung gibt, ist sicher diskutabel. Warum aber glauben sie, es gäbe keine medizinische oder wissenschaftliche Rechtfertigung? Tierversuche werden in der Schweiz nur genehmigt, wenn daraus wissenschaftlicher Fortschritt entstehen kann.

  • capeder alan sagt:

    mit tierversuchen jeglicher art, setzen wir uns auf die unterste stufe von fürchterlichsten barbaren der menschheit. es ist allen wissenschaftlern bekannt,
    dass sämtliche tierversuche im reagenzglas nachvollziehbar sind, meistens noch mit einem klareren ergebnis. mit diesem wissen trotzdem unschuldige tiere zu quälen und zu tode zu foltern, ist die absolute sünde der schöpfung gegenüber.

    • Servan Grüninger sagt:

      „Es ist allen wissenschaftlern bekannt, dass sämtliche tierversuche im reagenzglas nachvollziehbar sind“ Das stimmt so einfach nicht. Diejenigen Methoden, die es gibt, kommen bereits zum Einsatz. Es ist aber schlicht falsch zu behaupten, dass *alle* Tierversuche mit anderen Forschungsmethoden ersetzt werden könnten, ohne einen Wissensverlust in Kauf zu nehmen. Wir können aber gerne darüber diskutieren, ob wir *trotz* Wissens- und Erkenntnisverlust auf Tierversuche verzichten möchten, bzw. was getan werden kann, um die Anzahl der Tierversuche – gemäss dem 3R-Prinzip – weiter zu reduzieren.

    • Fabio Hasler sagt:

      Wie kommen sie auf die Idee, dass alles in-vitro möglich wäre? Ich absolviere im Moment meine Masterarbeit in Immunologie und gerade in diesem Gebiet gibt es zum Teil grosse Unterschiede zwischen lebenden Zellen in Tieren und lebenden Zellen im Reagenzglas. Notabene brauchen sie auch für in-vitro Versuche irgendwoher tierische Zellen.

  • Thomas Plüss sagt:

    Ein ziemlich platter Lobby-Blog. Es sollte im Jahre 2017 nun wirklich nicht das Ziel sein, die Hürden für Tierversuche (noch weiter) zu senken. Mich würde konkret interessieren, was mit diesen Primaten genau geschieht. Dass sich der Blogger hierüber komplett ausschweigt, lässt zumindest nichts gutes erahnen.

    • Servan Grüninger sagt:

      Bitte zeigen Sie mir auf, welche Aspekte des Artikels Ihnen missfallen, statt pauschale Anschuldigungen zu machen. Ich habe nirgendwo geschrieben, dass man die Hürden *senken* soll. Ich habe nur aufgezeigt, wie sich das Verfahren für alle Beteiligten verbessern liesse. Denn an langen, bürokratischen Verfahren haben weder Tierschutz noch Forschung per se ein Interesse. Das sagt auch eine der Rekurrentinnen: „Es wäre besser, wenn das Verfahren straffer und weniger bürokratisch wäre, dafür aber die Güterabwägung ehrlicher und konsequenter ist.“
      http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/Mit-Tieren-wird-praktisch-alles-gemacht/story/15396791

      • capeder alan sagt:

        hr. hasler, hr. grüninger, sie verwechseln
        in ihrer einbahnstrasse der sicht folgendes, dass nämlich sämtliche versuche im reagenzgals absolut genügend sind. der tierversuch ist immer ergänzend und es ist nicht so, dass gewisse resultate über das reagenzglas – wie sie dies behaupten – nicht praktikabel sind. das wissen auch sie genau, aber wie jedem wissenschaftler in diesem bereich, würde man ja einen teil seiner daseinsberechtigung absprechen müssen. zu recht! aber hr. hasler und hr. grüningner, schlafen sie weiterhin gut und ich wünsche ihnen, dass die gequälten primaten ihnen im traum erscheinen.

        • Fabio Hasler sagt:

          „…und es ist nicht so, dass gewisse resultate über das reagenzglas – wie sie dies behaupten – nicht praktikabel sind. “ Ein ganz einfaches Beispiel: wie genau wollen wie das Zusammenspiel verschiedener Zelltypen im Reagenzglas simulieren, wenn nicht mal alle dort überleben können.

  • Markus sagt:

    Ich schäme mich für die ETH.
    Ein Diplom von der ETH hat an Glanz verloren, schade.

  • Peter Rübensam sagt:

    Unsere Gesellschaft die sich christlich nennt (was schon lange als Schönfärberei und Erklärungsnotstand gilt), erlaubt einerseits tierquälerische Versuche an Affen und anderen hilflosen Tieren mit der Begründung, der menschlichen Spezies gute Dienste zu leisten. Dass für diese Versuche keine der menschlichen Spezies schadende Elemente aus ihren Reihen wie Mörder und andere Kriminelle verwendet werden, ist indes mehr als scheinheilig. Aber der Zweck heiligt die Mittel und der wirtschaftliche Nutzen lässt die sogenannten christliche Motive zum sonntäglichen Besuch des Gottesdienstes, zum Zwecke der persönlichen Heiligsprechung verkümmern. Nur gut, das der Mensch das nächste Jahrtausend nicht mehr erleben wird. Und daran ist nicht eine höhere Macht, sondern er ganz alleine schuld.

    • Fabio Hasler sagt:

      Versuche an Menschen (ja auch Kriminelle sind Menschen) wären genauso ethisch und moralisch umstritten. Es wäre dann die gleiche Debatte wie bei der Todesstrafe. Darf sich ein Staat oder ein Mensch auf die selbe Stufe herablassen wie ein Mörder? Einfacher wird das Forschungsdilemma dadurch sicher nicht.

  • Alina sagt:

    Alina
    26. April 2017 13:00
    Ich möchte mich den Komentaren von Alan und Céline anschliessen.
    Es gibt auch einen grossen Unterschied zwischen den Affen und den Menschen, die Affen würden so etwas schreckliches mit uns Menschen nie machen. Es wird immer wieder Krankheiten geben. dafür sollen nicht unsere Tiere missbraucht werden.

  • Sam sagt:

    Diese heuchlerische Doppelmoral hier ist absolut stossend!

    Zu Forschungszwecken wägt eine multidisziplinäre Kommission ab, ob die erwarteten Erkenntnisse nicht auf andere Art gewonnen werden können und ob das zugeführte Leid EINZELNER Tiere mit dem Erkenntnisgewinn zu vereinbaren ist. Jede Notwendigkeit muss genau begründet und belegt werden.
    Dies ist Barbarei und Unmoralisch.

    An der Discounterkasse wird tonnenweise Billigstfleisch verramscht. HUNDERTTAUSENDE von Tieren werden unter widrigen industrielen Bedingungen aufgezogen. Diese Tiere sind nicht edel – deren Leiden bedarf keiner Gedanken – an der Supermarktkasse verlangt niemand ein Abwägen einer Ethikkommission!

    Ich finde Mitmenschen die sich als selbstgefällige Moralisten aufspielen beschämend!

    • Svenja sagt:

      Sam, Sie sollten den Ball mal flach halten. Sie können nicht über die Schreibenden urteilen und wissen nicht, ob es sich um Konsumenten von Billigfleisch handelt.

      • sam sagt:

        Ob, die schreibenden Billigfleisch konsumieren oder nicht ist irrelevant.

        Stossend ist die einseitige Empörung über Tierversuche mit gleichzeitiger stillschweigender, unrereflektierter Duldung von verursachtem Leid gegenüber dem Tier an anderer Stelle – sei es beim Fleischkonsum, der Behandlung mit Medikamenten oder der Inanspruchname von sonstigen medizinischen Behandlungen.

        • Céline Weber sagt:

          Sam: es gibt durchaus Menschen, die sich hier empören UND gleichzeitig kein Fleisch essen, weil sie sich auch gegen Massentierhaltung und Gewalt an Nutztieren aussprechen.
          Einfach mal Ruhe behalten, bevor sie hier voreilig urteilen.

          • sam sagt:

            Céline: Ja es gibt durchaus Menschen die sich um eine sachliche Diskusion bemühen und sich in dieser Diskusion eine Meinung verschaffen wollen.

            Tut mir leid, ich nicht. Ich habe schlichtweg mein Genervtsein über zum Teil sehr einseitige Verurteilung in diversen Beiträgen zu Tierveruschen zum Ausdruck gebracht.

            Notabene mag der Fleischverzicht aus Ihren moralischen Ansprüchen folgen. Ich meine lediglich, dass die Auswirkungen des eigenen Handelns auf Tiere beim Urteilen über Tierversuche bedacht werden sollte.

            Auf die Gesellschaft übertragen, der Wissenschaflter wird im Zulassungsverfahren zu den Tierveruschen zur Reflexion seines Handelns gezwungen, der Konsument von Foie Gras aber nicht.

            Interessant:
            https://goo.gl/z0iN8l

    • capeder alan sagt:

      hr. sam, sie sind ein unsäglicher populist der negativen sonderklasse, indem sie den täter zum opfer machen, indem sie, um mal bei den tieren zu bleiben, die maus zur ratte machen. da ziehe ich vor, nicht wie sie verklausulierte unsinn zu schreiben, der einem menschen der ethik vertritt, vermitteln soll, dass er ein selbstgefälliger moralist sei. ihre angriffe zu parieren, ist das mindeste, was ich diesen armen gequälten geschöpfen schuldig bin.

      • Svenja sagt:

        Sam, Sie sprechen alle und niemanden an. WER duldet das eine und kritisiert das andere? Die „Gesellschaft“? D’accord, irgendwie … oder auch nicht. Kommt darauf an. Sie machen Aussagen, die so pauschal sind, das niemand was damit anfangen oder entgegnen kann.

      • Svenja sagt:

        PS: das war jetzt vielleicht auch etwas pauschal. Ich selbst erwarte von allen Kritikern von Tierversuchen, dass sie ihre ethischen Masstäbe auch in ihrem eigenen Verhalten umsetzen, das heisst möglichst wenig oder kein Fleisch, kein Pelz etc. das scheint mir nur konsequent.

      • sam sagt:

        Alan ich mache keine Opfer zum Täter sondern werfe den Richtern Heuchelei vor!

        Die Opfer sind die Tiere.
        Als Täter werden hier einseitig die Wissenschaftler abverurteil ohne anzuerkennen, dass die Menschen und zwar fast alle die Täter sind.

        Sie, als Mensch der Ethik vertritt, wenden Sie ihre ethischen Standards auf den Umgang mit allen Tieren an. Nicht einseitig bei den Anderen, den Wissenschafltern sondern auch bei sich als Konsument. Dieses einseitige Anwenden der Ethik ist heuchlerisch und selbstgefällig. „Es werfe der erste Stein…“
        Die „Sünde“ findet nicht nur bei diesen drei Primaten statt sondern allgemein beim Umgang mit den Tieren. Für das Tier ist es egal ob es wegen der Wissenschaft geqüalt wird oder wegen seinem Pelz.

        • Röschu sagt:

          Ich empfehle den Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist“ von T.C. Boyle.

          Auch wenn die Geschichte fiktiv ist, regt sie doch zum Denken über genau die hier angeschnittenen Themen an.

  • Svenja sagt:

    Ich finde diesen Artikel verwirrend. Es waren nicht einfach „Tierschützer“, die gegen den Versuch rekurrierten, sondern die drei Mitglieder in der Tierversuchskommission, die von Tierschutzorganisationen bestimmt werden dürfen. Die fragwürdige Zusammensetzung der Kommission ist im oben verlinkten TA-Artikel vom 25.04.2017 bestens beschrieben.

    • Servan Grüninger sagt:

      @Svenja: Inwiefern ist die Bezeichnung „Tierschützer“ für die Rekurrenten verwirrend?
      Bzgl. Zusammensetzung: Wie oben erwähnt passiert fast kein Antrag die Tierversuchskommission ohne Einschränkungen und Auflagen (http://tv-statistik.ch/de/bewilligung/index.php) – die Zürcher Kommission ist diesbezüglich schweizweit die strengste. Zudem war es die von Ihnen als „fragwürdig zusammengesetzt“ bezeichnete Kommission, welche 2006 andere Affenversuche *ablehnte*. Insofern scheinen die Mitglieder durchaus differenzieren zu können.
      Dennoch lässt sich über die Zusammensetzung diskutieren. Ich habe oben meine Vorschläge diesbezüglich vorgebracht. Wie müsste die Kommission Ihrer Meinung nach zusammengestellt sein, damit sie dahinter stehen könnten?

      • Svenja sagt:

        @Servan: Es wird nicht klar, dass die rekurrierenden Tierschützer selbst Mitglieder der Tierversuchskommission sind. Dies erweckt den Eindruck, als bestünde innerhalb der Kommission immer Konsens. Welche Art von „Differenzierung“ dazu geführt hat, dass der aktuelle Versuch von der Kommission (als Mehrheitsbeschluss) empfohlen wird, kann ich nicht beurteilen. Warum wird die Möglichkeit von verwertbaren Resultaten grösser eingeschätzt als beim letzten Mal? Zusammensetzung Kommission: Warum nicht dem Vorschlag von Thomas Hasler folgen? auch die Rechtsmittel müssten ausgewogen sein für Interessensvertreter der Forschung und für jede der Tiere. Ich bin der Meinung, dass Primaten generell keinen belastenden Versuchen ausgesetzt werden sollten.

        • Servan Grüninger sagt:

          @Svenja: Danke für die Erläuterung: Stimmt, aus der entsprechende Passage lässt sich nicht erkennen, dass die rekurrierenden Tierschützer gleichzeitig auch Kommissionsmitglieder waren, was eine relevante Information ist. Diese Unsauberkeit nehme ich auf meine Kappe, auch wenn ich sie nicht beabsichtigt habe – sorry!
          Zur Differenzierung: Die Antwort darauf liefert das Urteil des Verwaltungsgerichts: „Im Vergleich zum Fall, der [vom Bundesgericht] entschieden wurde, ist das Gesuch etwas stärker auf die klinische Anwendbarkeit ausgerichtet.“ (https://goo.gl/A4PfRw)
          Die grundsätzliche Ablehnung von Primatenversuche teile ich nicht, doch ich respektiere sie. Jedoch müsste ein solche Verbot gesetzlich festgeschrieben werden – die TV-Kommission entscheidet basierend auf dem *heutigen* Gesetz

          • Svenja sagt:

            @Servan: Danke für den Link. Ich hab das Urteil quergelesen. Mir scheint die „klinische Anwendbarkeit“ ist in diesem Stadium noch so weit entfernt und so ungewiss, dass ich mich frage, wie eine solche überzeugend dargestellt werden kann. Soweit ich weiss, erachtete das Bundesgericht 2009 den „alleinigen“ Nutzen von Grundlagenwissen nicht als ausreichend, die Belastung der Tiere in Kauf zu nehmen. Schade, hat man nun anders entschieden.

  • Klaus Randegger sagt:

    Ich galube, jeder intelligente Mensch wird Tierversuche, genauso wie die Massentierhaltung im allgemeinen, für verwerflich erklären. Es widerspricht auch dem Geist der Wissenschaft per se, deshalb ist die einzige (logsiche) Schlussfolgerung, dass diese Versuche unwissenschaftlich, barbarisch und dumm sind. Ich (als Wissenschaftler) schäme mich, wenn derartige Grausamkeiten im Zusammenhang mit „Wissenschaft“ nur schon erwähnt werden. Unsere Geschichte zeigt doch klar, dass wir nicht so schlau sind, wie wir gerne glauben. Auch hier wird die Geschichte beweisen, wie verblendet doch die Befürworter und Rechtfertiger solcher Abartigkeiten im 21. Jh. waren.

    • Servan Grüninger sagt:

      Tierversuche sind insbesondere in der Biomedizin ein grundlegender Bestandteil der wissenschaftlichen Forschung. Affenversuche kamen beispielsweise bei der Entwicklung des Polio-Impfstoffs, der Behandlung von Parkinson oder der Entwicklung des Ebola-Impfstoffs zum Einsatz. Natürlich: Für Wirtschaftswissenschaften oder Physik sind Tierversuche unnötig, aber in der Biomedizin kommen Sie zurzeit nicht daran vorbei – es sei denn, Sie sind bereit, auf gewisse Erkenntnisse zu verzichten. Darüber können wir gerne diskutieren. Doch das grundlegende Dilemma (Erkenntnisgewinn & Therapien auf der einen, Tierleid auf der anderen), bringen Sie nicht zum verschwinden.(https://www.nzz.ch/karriere/studentenleben/der-mensch-geht-vor-tierversuche-ein-dilemma-das-bleibt-ld.135638)

  • Bernhard Trachsel sagt:

    Was mich an Herrn Grüningers Darstellungen befremdet ist, dass er entgegen der Absichtserklärung seiner Basel Declaration Society eben gerade nicht um Transparenz bemüht ist. Das tun im Blog dann andere, z.B. Beat Mayer. Es ist naiv zu glauben, dass die unmittelbaren Nutzniesser an solchen Versuchen, also die Forscher auf ihrer Karriereleiter und deren Arbeitgeber, nicht laufend versuchen, Tierschutzvollzugsinstrumente wie eben auch eine Tierversuchskommission auszudünnen. Mit anderen Worten: Tierversuchskritische, aber dafür tierische Kompetenz ist eigentlich unerwünscht und man will am liebsten unter sich sein. Die Bauernlobby tut dasselbe mit der Tierschutzkommission, die man sogar abschaffen und den Tierschutzvollzug in der Landwirtschaft den Bauern in die Hand geben will.

    • Servan Grüninger sagt:

      @Bernhard Trachsel:
      1) Ich habe mich oben *explizit* für mehr Transparenz ausgesprochen: „Ziel muss es also sein, das Antragsverfahren so straff und transparent wie möglich zu gestalten, um die Planbarkeit für alle Beteiligten zu erhöhen.“
      2) Ich habe mich oben ausdrücklich für eine Erweiterung der Kommission ausgesprochen, um diese fachlich *breiter* abzustützen.
      3) Ich möchte – wie ebenfalls im obigen Text erwähnt – , die Stellung der Kommission und ihre Arbeit *stärken*.

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