Niemand ist gern Opfer

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Politblog

Für Genugtuung gekämpft: Eine Gruppe ehemaliger Verdingkinder lancierte 2014 eine Initiative mit dem Ziel, einen Entschädigungsfonds einzurichten. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Schreckliches klingt manchmal schön. Bis 1981 gab es die «Versorgungsgesetze». Der Name suggeriert Schutz, Fürsorge. Doch die Gesetze brachten grosses Leid über Familien, sie erlaubten den Behörden, willkürlich einzugreifen, wenn Leute nicht nach ihren Vorstellungen lebten. Armen Eltern wurden die Kinder weggenommen, auf Bauernhöfen, in Pflegefamilien oder Heimen platziert und dort misshandelt und ausgebeutet. Ledige Mütter wurden zur Abtreibung und Sterilisation gezwungen oder ins Gefängnis gesteckt.

Noch bis Ende März 2018, also eine Woche lang, können Betroffene beim Bund einen Solidaritätsbeitrag von 25’000 Franken beantragen. Sie müssen ihre Geschichte nicht bis ins letzte Detail beweisen. Es genügt, wenn sie sie glaubhaft machen. Die Behörden (zuständig ist das Bundesamt für Justiz) sind mittlerweile vertraut mit dem Thema und merken schnell, ob Angaben übereinstimmen. Sie wissen, welche Heime für welche Praktiken berüchtigt waren, in welchen Kantonen die Behörden besonders rigoros vorgingen. Es ist nicht schwer, das Opfergeld zu bekommen. Und trotzdem melden sich viel weniger als erwartet. Der Bund hatte mit bis zu 15’000 Personen gerechnet. Ende März werden sich nach heutigem Stand schätzungsweise gegen 7000 gemeldet haben.

Die Scham sitzt tief

Manche kritisieren deshalb das Engagement von Bundesrat und Parlament. Die Wiedergutmachung sei offensichtlich kein Bedürfnis, sagte der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti letzten Sommer dieser Zeitung. «Die Sozialindustrie hat wieder einmal massiv übertrieben.» Auch Felix E. Müller, Ex-Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» kritisierte das Parlament, das «auf völlig unzuverlässiger Basis Millionen gesprochen» und sich von Emotionen habe leiten lassen.

Diese Reaktionen sind verfehlt. Jeder, der einmal Einblick in das Leben von Betroffenen hatte, weiss, dass sich nur ein Bruchteil von ihnen melden wird. Viele halten ihre Erlebnisse bis ins hohe Alter selbst vor ihren nächsten Angehörigen geheim. Schuld und Schamgefühle sitzen so tief wie der amtliche Stempel von damals: «liederlich», «lügenhaft», «unnütz». Nun ganz plötzlich das Schweigen zu brechen, ist nicht ganz einfach. Kommt hinzu, dass niemand gern ein Opfer ist. Ein Opfer schämt sich nicht nur für seine Geschichte, sondern glaubt insgeheim auch an eine Mitschuld, und es muss mit latentem Misstrauen rechnen: Stimmt die Geschichte wirklich? Oder will die Person nur Geld? Sich wichtig machen?

Mitgefühl ist angebracht

Die Gesuchstellung sei ihr sehr nahe gegangen, sagte eine 48-Jährige mit schrecklicher Heim-Kindheit dem «Tagblatt der Stadt Zürich», es sei alles so präsent gewesen wie noch nie. Dabei gehört sie zu den Widerstandsfähigsten. Sie ist so stark und mutig, über das, was ihr wehtut, öffentlich zu reden.

Das Problem der Wiedergutmachung ist, dass sie nicht an eine klar definierte Bevölkerungsgruppe gerichtet werden kann, da es keine Statistik über die Zwangsversorgten gibt. Die Betroffenen müssen sie selbst abholen, es geht nicht anders. Doch zu sagen, Wiedergutmachung sei kein Bedürfnis, ist zynisch und unsensibel.

Bislang ist die Schweiz nicht verpflichtet, frühere Untaten, die seinerzeit rechtens waren, wiedergutzumachen. Trotzdem ist das Parlament zur Überzeugung gelangt, dass es im Fall der Verdingkinder und weiterer Versorgter gerechtfertigt ist. Es hat sich von Gerechtigkeitsempfinden und Mitgefühl leiten lassen. Zum Glück. Man wünschte der Gesellschaft mehr davon.

36 commentaires sur «Niemand ist gern Opfer»

  • sepp z. dit :

    Niemand ist gern Opfer.
    Einverstanden.

    Aber was sehr beliebt ist heutzutage, sich als Opfer darzustellen. Damit man zu mehr Geld, Macht und Privilegien kommt. Selbst Politikerinnen, die nicht in den Bundesrat gewählt werden, stellen sich heute als Opfer dar. Auch wenn sie 400’000 Fr im Jahr verdienen. Eine Verhöhnung von wirklichen Opfern.

    • Christoph Bögli dit :

      Als gute Beispiele könnte man da auch anfügen: All die Rassisten und Hasserfüllten, die zwar permanent und lautstark öffentlich hetzen, aber sich trotzdem ständig als Opfer geben, nur weil man sie beim Namen nennt und ihren Unsinn nicht unwidersprochen lässt. Oder all die Religiösen, ob Christen oder Muslime, deren absurden Vorstellungen schon zu lange unangemessenes Gewicht haben und die trotzdem immer Krokodilstränen vergiessen weil sie angeblich verfolgt würden.

      Aber das führt auch zu einem Problem: Opfersein lässt sich nicht objektiv bewerten. Insofern kann sich jeder als Opfer bezeichnen, der sich so fühlt, oder so tut, als ob er sich so fühlen würde..

  • Bernhard Piller dit :

    Wieviel Prozent der Kinder, die in Pflegefamilien und Bauernhöfen platziert wurden, wurden ausgebeutet und misshandelt? Alle? Wie viele eigene Kinder der Besitzer dieser Bauernhöfe mussten mit anpacken? Keine?

    • fabian dit :

      Die Ironie ist ja, dass diese Bauern-Kinder heute mehrheitlich Millionäre sind, reich geworden durch die Spekulation und Bebauung ihres ehemaligen Landwirtschaftslands.

      • werner boss dit :

        Zumindest der Herr Fabian scheint mir ziemlich viel zu fabulieren! Waren doch gerade diese Bauernhöfe, welche es betrifft, oft sehr abgelegen und deshalb kaum interessant für Bodenspekulation. Abgesehen davon hat er offensichtlich keine Ahnung wie hart die Bauernkinder neben der Schule noch arbeiten mussten! Da war nichts von Handy vor der Nase wie heute. Ich habe oft mit Verdingkindern von anderen Höfen zusammen gearbeitet, es waren meist gute Kollegen, welche man heute vergebens sucht!

  • Tobias Fontana dit :

    Ich warte seit Monaten auf einen Entscheid dieser Kommission für ein Gesuch meines Klienten. Nach meiner Ansicht eine eindeutige und mit Aktenmaterial belegte Sachlage, ich befürchte aber, dass gemessen an der bis dato benötigten Fallbearbeitungszeit, mein Klient am anderen Ende seines tragischen Start in das Lebens, auch am « anderen Ende » noch einmal zum Leiden verurteilt ist. Wenn so wenige Gesuche gestellt wurden, müsste doch eigentlich ein humane Bearbeitungszeit möglich sein, den gerade Opfer verfügen über eine hohe Vulnerabilität i.S. Gerechtigkeit die sich auf ihre Lebensqualität auswirkt.

    • S. fuchs dit :

      Ganz genau ich gehöre leider auch zu diesen Opfern bin heute fast Blind mein Partner zählte auch dazu ,ist leider vor vier Jahren verstorben. Meine Betreuerin versuchte etliche male Anzurufen, es hies da immer müsse man noch immer Auswerten und Bearbeiten usw. Leider kann ich mir kein Anwalt leisten. Ich finde daa alles unter ser Menschenwürde, das man wartet bis noch mehr gestorben sind.

    • Annebäbi Mischteli dit :

      Klient bei Ihnen als …(?). Wenn man in Ihren beitrag liest, ist man versucht zu denken, Sie versuchten sich als dessen Anwalt zu präsentieren. Aber ein wahrer Rechtsvertreter würde wohl kaum in die Kommentarspalten einer Tageszeitung über seine Fälle schreiben, oder? Weshalb tun Sie denn so als ob?

    • Vinzenz Bieri dit :

      Eine Milliarde an die EU bezahlen geht eben schneller.

    • Marianne Wissarjonova dit :

      @Tobias Fontana
      Sie haben den Zweck dieser ganzen Angelegenheit missverstanden: Es geht nicht um arme, gebrechliche, bedürftige alte Menschen, die früher als Verdingkinder unten durch mussten.

      Es geht um etwas anderes: Die überbordende classe bureaucratique aus überqualifizierten Akademikerinnen aus brotlosen Studiengängen müssen ihre Existenz rechtfertigen. Je länger das dauert, desto mehr von diesen 100’000 Franken Jobs können mit Steuegeldern alimentiert werden.

      Ausserdem muss das ganze lange dauern und so richtig dramatisch daherkommen, damit die SP-Bundesrätin ihre Partei so richtig schön in Szene setzen kann.

  • Koch Ra dit :

    In den Akten nachsehen. Ein anständiges Land macht den Schritt als Erstes, diese Geschundenen aufzuspüren. Viele sind alt, depressiv, können mit modernen Geräten nicht umgehen. Und ihr Verlust des Vertrauens ist enorm. Sie haben die Kraft nicht, sich durch die Instanzen zu kämpfen. Ich denke nicht, dass der Staat das hofft und damit auf Zeit spielt. Also los, des Vertrauenverhältnis’ willen!

  • Esther Sterchi dit :

    Mein Vater und meine Tante waren beide Verdingkinder. Sie litten an Unterernährung, Gewalt und Vergewaltigung. Ich bin froh, dass beide in den letzten Jahren gestorben sind und diesen Traumas nicht wieder ausgesetzt werden. Wieso müssen die ehemaligen Verdingkinder ihr erlebtes Leid wieder begründen? Die Behörden haben doch alle Unterlagen darüber, welche Kinder verdingt worden sind. Geht es hier um echte Wiedergutmachung, indem die Behörden und PolitikerInnen einen Schritt auf diese Menschen zu macht und sich im Namen des Volkes sie um Vergebung bittet oder zwingt man diese Menschen erneut in die Rolle der Bittsteller? Solche Entscheidungsträger beschämen mich ein weiteres Mal!

  • Ernst Fluri dit :

    als ehemaliges Verdingkind muss ich schon sagen ,dass wenn man eine Entschädigung erhalten möchte .sich noch einmal dem ganzen Prozedere unterwerfen muss, ich musste 3 x auf die Opferhilfe gehen und musste dort die ganze Geschichte (nach dem ich es schriftlich schon einmal gemacht habe ) mit der Ansässigen Person durchgehen. Auch die lange Zeit vom Ja des Bundesrat bis zur Auszahlung dauert eine Ewigkeit dass in der Zwischenzeit schon wieder Verdingkinder uns verlassen mussten. In Irland hat es auch ein so eine Kindergeschichte gegeben , nur dort wurde die ganze Sache innert einem Jahr ausgearbeitet und die Leute entschädigt, und das erst noch viel grosszügiger. auch wurde mir meine Akteneinsicht im Kanton verweigert, mit der Begründung es gäbe keine! Ergo war ich niemand zu dieser Zeit!

    • Marianne Wissarjonova dit :

      @Ernst Fluri
      Sie haben es richtig erkannt: Die Bürokratenkaste stösst sich gesund an diesem Prozedere. Warum Geld auszahlen, wenn man den Berechtigten viermal vorladen kann und vier mal Arbeitszeit abrechnen kann. Ist doch toll, wenn die classe bureaucratique auf Kosten der Steuerzahler parasitieren darf.

  • Maria Luise Frenzel dit :

    Herr Zanetti leben Sie nur einmal ein Jahr in einem Heim. Ich war 16 jahre in einem Heim ein gespert. Ohne Kontakt zum Dorf.
    Nach 16 jahren kam ich raus ohne Geld, dass ich gar nicht gekannt habe.
    Von der Welt hatte ich keine Ahnung .
    Ich musste ums ueberleben kämpfen und hatte den Status kinderheimler.
    Ich bin heute 77 jahre und nur dank meines Mannes geht es mir heute gut.
    Milu

  • Vinzenz Bieri dit :

    Aus einer persönlichen Bekanntschaft mit einer Versorgten in Bern schlug mir ein brennender Hass gegen ihre damaligen Behörden entgegen, welche die Seele ihrer Kindheit gestohlen hatten. Ihr Leiden haftet noch heute schmerzvoll in meinem Herzen, denn ihre Verbitterung ertrug nur noch mein zuhören. Mit einem solchen Hass geht niemand auch noch als Bittsteller um Geld zu den Behörden, welches Leid sie nur noch herauszuschreien vermocht hätten. Es gibt eben kapitale Verbrechen, die in der Welt mit gar nichts mehr getilgt werden können, sondern nur noch mit der Güte Gottes.
    Im gleichen Fahrwasser verfährt heute die KESB mit sogenannt « urteilsunfähigen » Menschen, unkontrolliert von der Gemeinde, die Angehörigen entmachtet, es wird ein neues Kapitel der Willkür von Behörden aufgeschlagen.

  • Nina dit :

    Die meisten von ihnen leben heute ein ganz normales Leben, haben eine Ausbildung gemacht, arbeiten und haben selbst Familie. Resilienz, das heute immer mehr in der Gesellschaft fehlt. Immer auf die Vergangenheit zu hauen, die Gesellschaft für individuelles Leid verantwortlich zu machen bringt nichts.

    Heute ist es normal, dass viele gerne Opfer sind und ihr Selbstmitleid keine Grenzen kennt. Auch wenn ihnen das Leid nicht in der Schweiz zu gefügt wurde, sind, bezahlt die Schweiz. Dies priviligiert zu lebenslanger Sozialhilfe und Psychotherapie. Die 25’000 sind ein Hohn gegenüber diesen, die dann wohl über 1 Mio. kosten werden. Jedoch Kinder in die Welt stellen können sie. Die Sozindustrie sollte sich ein Beispiel an den Schweizern nehmen und diese Resilienz von allen einfordern.

    • Esther Sterchi dit :

      Liebe Nina – Müssen Sie anderen Ihr Mitgefühl verwehren, weil Sie selber mit sich so hart sind? Eine Gesellschaft kann sich nicht weiter entwickeln, wenn vergangenes Leid nicht angeschaut und gesühnt wird. Dabei hilft es nicht auf Andere zu zeigen. Respekt Achtung und Mitgefühl sind da angebracht.

      • Marianne Wissarjonova dit :

        @Esther Sterchi
        Ich habe viel Mitgefühl und enormen Respekt für Menschen, die ihr Schicksal bewältigen und etwas machen aus ihrem Leben.

        Nur leider ist es heutzutags einfacher, auf den Boden zu liegen, bitterliche Träne zu grännen und die anderen springen dann und überschütten einem mit allem was die Schweiz so zu bieten hat.

    • Yolanda Hecht dit :

      Resilienz gab es früher vielleicht mehr, weil Menschen in schwierigen Lagen niemand geholfen hat. Sie hatten gar keine andere Wahl als resilient zu sein. Dafür gab es aber auch mehr Alkoholmissbrauch, Gewalt , Selbstmord und Totschlag in den Familien. Dahin will niemand zurück.

      • Marianne Wissarjonova dit :

        @Yolanda Hecht
        Die Selbstmordraten in der Schweiz war vor 140 Jahren bei 45 pro 100’000 Einwohner. Das Maximum erreichte sie in den 30 er Jahren, das Minimum mit 25 in den 60er Jahren. Die Generation der heutigen Verdingkinder wurde in der Wirtschaftskrise verdingt und traten Anfang 60er Jahre in das Berufsleben ein.
        Aktuell gelten 20% der Schweizer Bevölkerung als alkoholabhängig. Die allgemeine Abhängigkeit von Psychopharmaka, Beruhigungs- und Schlafmitteln ist noch grösser.

  • Werner Huber dit :

    Wie viele Politiker von heute haben diese harte nahezu Unmenschliche Zeit
    erlebt? bitte meldet euch damit wir wissen wer diese Qual versteht die uns
    Kindern angetan wurden. Es war hart und Herzzerreissend ohne Beistand
    Eltern und Hilfe keine Freizeit nur Arbeit als Kind von Früh bis Spät und
    Hohn Verspöttelung und Schlägen wegen Lapalien die heute gang und
    gäbe sind es war schlimm aber wir haben es überlebt mit Trauma und
    anderen Gesundheitlichen problemen wie lange noch ???

  • Patrik Peter dit :

    Man beachte: Gerade die Partei (SVP) die unseren Mitbürgern mehrheitlich dieses Leid eingebrockt hat, verhöhnt die Opfer wiederum (SVPZanetti). Und kommt mir jetzt nicht mit: Alles gar nicht wahr. Die SVP hat ist nach wievor in den meisten Bauerndörfern die Mehrheit. Ich frage daher mich ernsthaft, wer diese Partei noch wählt.

    Viele Gemeinden führten darum keine Akten über die Zwangsmassnahmen. weil « man » sich kannte. Und auch darum, weil jeder insgeheim ein schlechtes Gewissen bei der Versklavung der Kindern hatte. Das ist der Grund warum die Opfer alles nocheinmal begründen müssen.

    Der Vogel abgeschossen hat aber die SVP im Parlament, als Sie sich als einzige Partei (!) weigerte den Verdingkindern eine Entschädigung zu zahlen.

    Daher nochmals, warum wählt Ihr diese Partei?

    • Marianne Wissarjonova dit :

      Womit der Zweck der ganze Kampagne um das Verdingkinderwesen offen dokumentiert wäre.

      • Patrik Peter dit :

        Ich ahne, dass Ihnen den Sektor Verwaltung schlicht fremd ist und Sie Ihre Ahnungslosigkeit mit frei erfundenem überbrücken möchten.

        Dies ist absolut nicht statthaft.

        Es ist das eine, wenn der Staat seine Schuld anerkennt, es ist aber was ganz anderes, wenn Sie anspruchsberechtigt sind. DAS müssen Sie dokumentieren können.

        Für Sie lebensnahet, einfacher:
        Als Arbeitslose kriegen Sie nicht einfach so Geld, Sie müssen mittels Kündigungsschreiben dokumentieren, dass Sie anspruchsberechtigt sind.

  • Christoph Meyer dit :

    Es braucht mehr Politiker, gerade auch Männer, welche dazu stehen, dass sie missbraucht worden sind, brutale Uebergriffe erlebt haben. Ich habe selber brutale Uebergriffe in meiner Kindheit und Jugend von meinen Eltern und anderen erlebt und bin erst jetzt, im Alter von 46 endlich frei geworden. Ich habe bis vor wenigen Jahren immer wieder Mobbing erlebt, auch am Arbeitsplatz. Ich habe bewusst auf Familie und Karriere verzichtet, um all das aufzuarbeiten. Ich habe sehr viel Geld aus dem eigenen Satz investiert. Ich gehöre wohl zu den ganz wenigen, welche es wirklich geschafft haben, all das zu überwinden. Claudio Zanetti und Konsorten sollen diesen Menschen in die Augen schauen und dann sagen, sie seien keine Opfer. Einfach widerlich, diese SVPler und Co.

  • alice dit :

    auch ich war ein verdingkind !mit Schlägen die 4 mal ins Spital musste !bin76j . aber ich war bei Verwandten die ein Geschäft hatten ! Spielen gabs nicht immer in de rBäckerei Arbeiten oder im Office !ja es war sehr schlimm !aber all das Geld möchte ich nie !denn das hilft mir nicht dass man fast Täglich erinnert wird ! sehe keinensinn darin Geld zu verteilen !

  • Vinzenz Bieri dit :

    Verstehe Ihre seelischen Wunden, welche lebenslang schmerzen, wenn ein Kind am Abend nur noch weinend einschläft, einsam und alleine gelassen, ohne jede
    elterliche Liebe.

    • Marianne Wissarjonova dit :

      Woher wissen Sie so genau, dass alle Verdingkinder so gelebt hatten? In den 30er Jahren gab es nur zwei Möglichkeiten, Kinder von verarmten Familien durchzubringen: Zusammenführen in Heimen oder Weitergabe an Familien. An beiden Orten mussten sie für ihren Lebensunterhalt selber arbeiten. Das System sah aber nicht den systematischen Missbrauch vor. Dieser hat mit dem Verdingkinderwesen für sich gesehen nichts zu tun.

      • Yolanda Hecht dit :

        In den 30er Jahren? Lesen sie das Buch « Schattenkind » von Philipp Gut, Jahrgang 1968. Das Ende seines Leidensweges war 50 Jahre später. Dann landen sie vielleicht in der Realität. Hart arbeiten war nicht das Problem, das mussten die meisten Kinder auf dem Land. Schlafen im Schweinestall (wie mein Grossvater, das Verdingkind) zu wenig zu essen bekommen, brutale Gewalt, sexueller Missbrauch, eingesperrt werden, fehlende Fürsorge, Einweisung in die Psychiatrie, mangelnde Bildung, Gefängnis, …. Das alles und noch viel mehr konnte Kindern und Jugendlichen blühen deren Eltern ausserhalb der Norm lebten. Ihre beiden Statements sind eine Verhöhnung der Betroffenen und eine Verharmlosung des lange vorherrschenden faschistoiden und eugenischen Gedankenguts, das hinter den Versorgungen steckte.

        • Marianne Wissarjonova dit :

          Im obigen Blogeintrag geht es um die Frage, warum sich nicht mehr Verdingkinder melden. So schlimm das Schicksal Ihres Grossvaters war, so war es eben doch die Ausnahme.

          Phillip Gurt war kein Verdingkind. Das Verdingkinderwesen gab es zu dieser Zeit nicht mehr. Er wurde in Kinderheimen fertig gemacht. Das rechtfertigt die Verbrechen, die an ihm begangen wurden nicht. Aber es hat keinen Sinn, solches den Pflegefamilien von Verdingkindern in die Schuhe zu schieben.

  • Marianne Wissarjonova dit :

    Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass viele ehemalige Verdingkinder gar keinen Schaden haben.
    Vielleicht liegt es daran, dass sie zu einer Generation gehören, die hart arbeiten gewohnt sind.
    Vielleicht gehören diese zu einer Generation, die stolz sind auf das, was sie selber erreichten.
    Vielleicht sind das die typischen Anti-SP-Klienten, die nicht meinen, die nobelste Aufgabe des einzelnen sei es, die hohle Hand hinzuhalten und vom Geld anderer Menschen zu profitieren.
    Vielleicht gibt es trotz dem ganzen linken Trommelfeuer noch Schweizer, die ein bisschen Anstand bewahrt haben.

    • Patrik Peter dit :

      Und vielleicht sollten Sie endlich mal den Film Verdingkinder sehen. Und vielleicht hat eine Zwangssterilisation einer gesunden 20 jährigen Marianne W. (um einen frei erfundenen Namen zu nehmen) überhaupt rein gar nichts mit der Parteilandschaft zu tun.

      Vielleicht ist es auch rechtlich nicht haltbar, dass man obenerwähnte Marianne W. ohne Urteil (!) über Jahre ins Zuchthaus steckt, einfach darum, weil Sie alleinerziehend (!) sein wollte. Und das in den 1980ger Jahren.

      Und vielleicht ist Schwerstarbeit für 5-7 jährige in den 1970ger Jahren nicht unbedingt mit „Arbeitsahm“ gleichzusetzen.

      Wie gesagt, es liegt erst 30 Jahre zurück. Nicht 100…

      Lassen Sie das mal sinken.

      • Marianne Wissarjonova dit :

        In den 70er Jahren gab es die Sozialfürsorge und keine Verdingkinder.

        Den Misshandlung von Verdinkindern bestreite ich ja gar nicht. Allerdings ist es falsch, zu behaupten, die Mehrheit der Verdingkinder sei misshandelt worden. Für solche Behauptungen gibt es keine wissenschaftliche Basis.

        Genauso spekulativ sind die Vermutungen, die Kindern sei es bei den Pflegeeltern schlechter gegangen als vorher bei ihnen zuhause.

        Ich kenne keine ehemaligen Verdingkinder. Jedoch kenne ich niemanden aus dieser Generation, der als Kind nicht für den Broterwerb der Familie mitarbeiten musste.

  • Gabriela Merlini dit :

    Das m.E. « Gute », was aus dieser Aufarbeitung resultieren könnte, ist die wissenschaftliche Aufarbeitung, die im Aufarbeitungsgesetz verankert ist. Nun wird immer mehr ans Licht kommen. Einige Kommentare hier, offenbaren immer noch große Wissenslücken über FSZM. Da sind wir aufgefordert, immer wieder kritisch zu hinterfragen, uns zu melden, weil die staatliche Aufarbeitung gewisse Dinge sehr laut verschweigen möchte. Glücklicherweise gibt es inzwischen Forschende, die sogar ihre Karriere aufs Spiel setzen, die hinschauen. Und: Mitarbeiter der Archive, der Opferhilfe, die diese Akten lesen, beginnen sich zunehmend für die Zeitzeugen FSZM einzusetzen. Deshalb wäre es wichtig, dass sich möglichst viele der Überlebenden melden. Leider haben wir meistens nicht nur eine kürzere Lebenserwartung.

  • werner boss dit :

    Was mich wundert, warum liest man da nichts von Strafanzeigen? Zum Schwangerschaftsabbruch oder Sterilisation gezwungen! Das ist in meinen Augen zumindest Körperverletzung. Von wem angeordnet?

Commentaire

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