«Grüessech, Röschti vu der SVP Urban»

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Die SVP will neue Wege bei der Wählermobilisierung gehen und vermehrt «Klinken putzen», wie Parteichef Albert Rösti im Interview sagt. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Eine Glosse von Fabian Renz

 

Dingdong! Dinngdonng!

Hundegebell setzt ein, die Tür des Reiheneinfamilienhauses öffnet sich. «Ruhig, Brutus! Sitz!» Ein Herr mit Schnauz lugt hervor. «Ja, bitte?»

«Grüessech, Röschti vu der Äsvoupe.»

Rösti ist erleichtert. An den ersten fünf Haustüren hatte ihm niemand aufgemacht. Was waren das doch für Zeiten, als die Hausfrau nachmittags um drei noch daheim die Kinder hütete, verflixte Kitas, schiesst es Rösti durch den Kopf.

«Wir haben nichts bestellt. Ihr liefert doch sonst Pizza?»

«Nei, Röschti isch dr Name. Wüsset dir scho, wer dir wählet im Zwöinünzäh?»

«Äh, wie bitte?»

«Mir vu der SVP mache drum äbe nöi jetzt Huusbsüech.» Immer diese schwierigen Gesprächseinstiege, denkt sich Rösti und nestelt nervös mit den Wahlprospekten in seiner Hand herum.

«Ah, Sie arbeiten für Blocher?»

«Nei, auso, nit diräkt.»

«Stimmt ja. Für seine Tochter jetzt?»

«Äh, ou nit.» Rösti wird nervöser. Irgendwie muss er das Eis brechen. «Wo schaffet dä dir?» Er wollte nicht «wo» fragen, sondern «was», blöde Nervosität.

«Ich arbeite – ruhig jetzt, Brutus! – ich arbeite in Bern», antwortet der Mann, leicht ungeduldig inzwischen.

«Dä regts öich sicher uf, dass die Rot-Grüene aui Parkplätz gstriche hei.»

«Ich fahre mit der S-Bahn.»  

S-Bahn? Rösti schöpft einen bösen Verdacht. «Was sit ihr vo Bruef?»

«Ich bin Abteilungsleiter im Bundesamt für …»

«Hä, Bundesamt? Dir, aber säget, mer si doch hie ds Oschtermundige. Mr si doch i dr Agglo. Nid i dr Stadt.»

«Ja, nein, warum …»

«I dr Agglo isch doch dr Mittustand, wo nit vom Staat läbt. Da hetts doch ke Beamti.»

«Also, ich wohne hier», entgegnet der Mann – Gerlich oder so was stand auf dem Klingelschild – ziemlich gereizt. «Nicht nur ich. Von den 50 ranghöchsten Bundesangestellten wohnen nur 3 in der Stadt. Das stand anscheinend mal in der Weltwoche, hat mir jemand erzählt.»

SVP-Präsident Albert Rösti am 28. Februar 2016 in Einsiedeln. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Hätte er das Käseblatt doch disziplinierter lesen sollen, wie es ihm beim letzten Kaderrapport aufgetragen wurde, ärgert sich Rösti. «Ja, de mues ig öich auso säge, de chöi mer öich nüt biete. Mir vu dr SVP wei ke staatlichi Wohnige boue.»

«Also bitte, dieses Haus gehört mir. Ich brauche keine Wohnung.»

«U Arbetslosi u Soziaulhiufebezüger wöi mer ou nit.»

«Ich habe einen Job!»

«Aber was für eine. Heit er nie drüber nadänkt, no öppis Aständigs z’lehre, wo dr am Stüürzauer nit uf dr Täsche liget? Buur zum Bischpiu?»

Der Mann will antworten, aber Rösti, jetzt in Fahrt, kommt ihm zuvor: «Aber we dr öppis gäge verstopfti Strasse in Bern heit, chöit er üs trotzdem wähle. Mir si nämlich gäge Personefreizügigkeit. Die isch schuld dra.»

«Ich fahre S-Bahn, wie gesagt. Und ich kann Sie nicht wählen, weil ich Deutscher bin.»

Rösti fasst es nicht. Also doch Gerlich. Schnauz, Karohemd – der Kerl hätte in vierter Generation Dorfgaragist von Hundwil sein können.

«Mir reicht es jetzt mit Ihnen», sagt Gerlich. «Brutus, fass!»

Röstis Reflexe funktionieren, wie bei allen Politikern. Er macht kehrt, hastet zum Gartenzaun und rettet sich mit einem sportlichen Sprung auf die Tempo-30-Strasse. Der American Stafford hinter ihm bekommt nur noch den Stapel mit den SVP-Prospekten zu fassen, in die er sich wütend verbeisst. Aber Rösti weiss jetzt, was er zu tun hat. Er schreitet stracks zur nächsten Tür und klingelt.

«Ja, bitte?»

«Grüessech, Röschti vu der SVP Urban.»

21 commentaires sur ««Grüessech, Röschti vu der SVP Urban»»

  • Elisabeth dit :

    Ob Hausbesuch oder die schon länger praktizierten Anrufe der SP ist eigentlich egal. Beides muss ich nicht haben, da ich meine Meinung eh nicht ändern und das stimmen werde, was ich vorgehabt habe. Beides ist dasselbe wie die lästigen Werbeanrufe, die bei mir alle im Voraus abgeblockt werden. Aber von wo kommt dieser Mist wieder mal? Aus den USA!

  • Peter dit :

    Wenn es nicht wahr ist, ist es doch gut erfunden.

    • H.Trickler dit :

      Wenn es gegen einen linken Politiker geschrieben wäre würden Sie sich bestimmt als Gutmensch empören.

      • Pjotr Müller dit :

        Also ich hätte es genau so lustig gefunden. Es sind halt nicht alle so empfindlich, wie die strammen SVP-Sektenanhänger.

        • Rolf Zach dit :

          Die SVP Parteikasse ist ja reichlich gefüllt durch die Blocher-Millionen, aber sonst gibt es nicht mehr soviel von den Schweizer Banken und den Schweizer Monopol-Importeuren, wie es bei den Wahlen 2003 und 2007 der Fall war. 2015 war ja bekanntlich ein gutes Jahr für die SVP, wegen den Flüchtlingen, wo gewisse Grüne und Linke nicht genug zeigen konnten, wie willkommen diese für sie waren. 2019 können diese Grünen mangels Masse, sich nicht mehr so schaden wie 2015.
          Was kosten 100’000 SVP-Wahlhelfer mit einem Tagesverdienst von 400 Franken. 40 Mio. SFr. pro Tag oder für 15 Tage 600 Mio.. Niemand, der nicht ein Mandat hat durch die SVP, macht dies gratis. Denn es ist eine Partei der berechnenden Kapitalisten!

      • Peter Sieber dit :

        Danke H. Trickler dass Sie mit Ihrem Kommentar wieder einmal eindrücklich bewiesen haben, dass die Sünnelifreunde à la Röschti gut im Austeilen sind, aber überhaupt nicht kritikfähig sind. Wohl weil sie beim Rapport zu H. nur « Hier verstanden » sagen dürfen regen sich diese Herrschaften über Kritik von jeglicher anderer Seite immer so fürchterlich auf.

        • H.Trickler dit :

          @Pjotr Müller, Rolf Zach, Peter Sieber:

          Herzlichsten Dank dass Sie direkt den Beweis meiner Aussage geliefert haben!

  • Peter-Jürg Saluz dit :

    Wenn jetzt auch Renz « auf Laura macht », dann wirkt das traurig wie die Nacht. Drum soll er es nicht übertreiben, denn er kann schliesslich wirklich schreiben!

  • Wenger Werner dit :

    Gelungene Satire. Treffende Darstellung der oft von SVP-Parteifuktionären in der Öffentlichkeit dargestellten Situationen. Beispiel, dass Bundesangestellt nur in der Stadt wohnen würden oder dass auch „Ausländer“ in hohen Funktionen beim Bund arbeiten und noch ein eigenes Haus haben können?!

  • roger meier dit :

    Die SVP hat es sicher nicht nötig,es wurde ihr in den Mund gelegt,Herr Renz weiss dass genau,typisch Tagesanzeiger,Scham über ihn,wenn er dass überhaupt kennt

  • Martina Siegenthaler dit :

    Jeder blamiert sich selbst so gut er kann und das tut Rösti eigentlich fast ständig und zudem leider noch mit Erfolg. Wenn schon Klamauk im Politblog des Tagis, dann bitte auf höherem Niveau wie z.B. der Satiresendung « Die Anstalt » (ZDF).

  • Berry Schönenberger dit :

    Also wenn der Rösti bei mir vor der Türe stünde, würde ich ihm Einlass gewähren. Der Bürger muss mit den Parteivertretern in Kontakt kommen, nur so besteht Hoffnung auf eine Besserung unseres polit. Systems.

    • Bernhard Isenbach dit :

      Fangen sie schonmal in den Kommentarspalten an. Z.B. bei Roger Meier, oder Herrn Rittermann, wenn Sie da etwas ausrichten können sind Sie bereit für die Politik. Seien Sie aber nicht enttäuscht wenn es nicht klappt.

  • Florian Müller dit :

    Schade gibt es keine « likes » zu verteilen. Genauso habe ich mir die Hausbesuche vorgestellt. aber immerhin könnte Rösti etwas dabei lernen.

  • Eduard J. Belser dit :

    Ich habe keinen Hund, aber ein Besuch von Herrn Rösti wäre Grund genug, einen Hund zu erfinden. Ich würde Herrn Rösti die Türe öffnen, mich umdrehen pfeifen und das Treppenhaus hinauf schreien: «Rambo komm es gibt SVPler-Fleisch!» Danach würde ich genüsslich zusehen, wie rasch der Herr Rösti rennen kann. Ich lasse mir doch von dieser Grinssünneler-Sekte an der Türe nicht solchen Schrott, wie die SVP-Rentenklau-Politik andrehen. Das Wahl- und Abstimmungsmaterial der SVP stopfe ich immer sofort in den Altpapierbündler. Ich mag nicht zu den dummen Kälbern gehören, die ihre Metzger/Rentenklauer selber wählen.

  • Franz Fischli dit :

    Nicht eben ermutigend. Denn die von der Leitung meiner Partei, der SP, möchten uns partout zu solchen Aktionen ermutigen – sprich: verdonnern. Das habe sich bewährt. Immerhin beschränken sie sich mit ihrem Imperativ noch auf das Telefonieren. So kommt man mindestens mal nicht mit dem beisswütigen Brutus in antagonistisch dentalen Kontakt. Und wenn man krebsrot im Gesicht wird, sieht es das Gegenüber Gottseidank auch nicht.

  • Stefan Aellig dit :

    Hausbesuche – egal, ob von Politikern oder sonstigen Personen wie etwa Hausierern – ist ein immer schwieriger werdendes Unterfangen in der heutigen Zeit. Unangemeldeten Leuten öffne ich meine Wohnungstür schon gar nicht erst, vorallem dann nicht, wenn ich sie nicht kenne. Wildfremde Telefonanrufe (wenn die Nummer unbekannt oder unterdrückt ist) werden immer seltener (wenn überhaupt) entgegengenommen. Ergo: alles andere als eine einfache Sache !!

  • Rohrbach Roland dit :

    Wenn er zu mir kommt sage ich ihm «Grüessech, Röschti kommen Sie herein es gibt bei mir gerade Bratwurst mit Röschti nehmen Sie Platz! HAHAHA

Commentaire

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